Schreibcoaching

Schreibcoaching

Von schwindenden Träumen und kopulierenden Zauberschülern

Schreibschulen, Schreibseminare, Schreibratgeber und Autoren, die ihr Wissen weitergeben, gibt es immer häufiger, zumal heutige Schriftsteller i.d.R. allein vom Schreiben nicht leben können, versuchen sie durch ihr Wissen und ihre Erfahrungen lernbegierigen Schreibnovizen in Seminaren mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und sie in der Kunst des Schreibens zu unterrichten – sei es aus ehrlichem Interesse, den Nachwuchs zu fördern, oder nur um mal wieder den Kühlschrank voll zu bekommen.

Die Beweggründe sind relativ egal, solange Schreibanfänger etwas für ihr Geld geboten bekommen und nicht mit inhaltlosen Phrasen, oberflächlichen Methoden und schlechten Tipps aus dem Internet zum Thema Schreiben abgespeist werden, so dass sie am Ende so schlau wie vorher aus dem Schreibseminar herausgehen und rein gar nichts gelernt haben, vor allem nicht, wie sie ihre Texte und ihren Schreibstil verbessern können.

Gute Schreibseminare und kompetente Schreibcoachs sind ebenso schwer zu finden, wie in der Buchhandlung einen Schreibratgeber zu entdecken, bei dem sich der Autor mal nicht mit den eigenen Erfolgen in den Vordergrund des Textes drängt und das Eigentliche – nämlich das Erlernen des Schreibhandwerks – bei all der Selbstbeweihräucherung zur Nebensache wird. Schreiben ist erlernbar, das ist die gute Nachricht, aber Schreibratgeber leiden oft unter der Subjektivität ihres Verfassers, d.h. die Autoren von Schreibratgebern schreiben oft über ihre subjektiven Erfahrungen, wie Sie es geschafft haben, in der Literaturbranche Fuß zu fassen oder welche Methoden ihnen dabei geholfen haben, besser zu werden bzw. veröffentlicht zu werden (wenn sie überhaupt veröffentlicht haben und Autoren sind!).

Hilfreicher für Schreibanfänger wäre es, wenn die Autoren von Schreibratgebern, wie alle anderen Autoren und Schriftsteller auch, über den eigenen Tellerrand einmal nach rechts und links sehen würden, um wirklich einen guten und objektiven Schreibratgeber zu verfassen, der einen allgemeinen Überblick über die Materie und das Schreibhandwerk liefert. Schließlich weiß weder der Schreibanfänger noch der Schreibcoach welche Lernmethoden und Schreibregeln letztendlich individuell zum Erfolg führen (siehe 2. Übersicht & Grundproblematik des Schriftspracherwerbs).

Dieses Defizit kann man seriösen Autoren von Schreibratgebern oder Schreibtrainern aber nicht einmal zum Vorwurf machen, immerhin haben sie es auf ihre ganz persönliche und individuelle Weise geschafft, ein Teil der Literaturbranche zu werden und mit ihren Veröffentlichungen unzählige Leser zu begeistern. Warum sollten sie sich dann noch um andere und allgemeinere Wege bemühen, wenn ihr subjektiver Weg doch erfolgreich gewesen ist, zumal ein solches Unterfangen Unmengen an Zeit verschlingt?

Diese Frage ist mehr als berechtigt.

Lesen, Recherchieren, geeignete Literatur zum Thema auswählen, sich einen Überblick verschaffen, welche (Schreib-)Tipps nach objektiven Kriterien als sinnvoll und wichtig gelten – all dies kostet viel Zeit und Nerven, die sich viele nicht nehmen, weil der Mensch generell eher minimalistisch und ökonomisch veranlagt ist. Objektivität bzw. ein Thema in seiner Gesamtheit zu erfassen, ist mit einem immensen (Zeit-)Aufwand verbunden, der sich nicht rechnet oder diese Zeit lieber anderweitig zum Geldverdienen genutzt werden kann.

Dieser Zwiespalt zwischen Zeitverschwendung und etwas in seiner Gesamtheit zu erfassen, ist mir sehr vertraut, weil ich seit mehreren Jahren in Schreibratgebern recherchiere, jede erdenkliche Literatur zum Thema Schreiben wälze und mich bei unzähligen Quellen bediene, um einen allgemeinen und objektiven Schreibratgeber zu verfassen, der einen Überblick über den Ist-Zustand des Schreibhandwerks, seiner Methoden sowie Lehr- und Lerninhalte liefert und obendrein noch den Teil beleuchtet, den nachwievor viele Menschen in der Literaturbranche als angeborenen und somit nicht als lehrbaren bzw. lernbaren Teil des Schriftstellers einstufen – und das alles, ohne einen Cent zu verdienen.

Dieses Projekt wird noch weitere Jahre meiner Zeit in Anspruch nehmen, denn ich will keiner dieser Schreibratgeber-Autoren werden, die ihren subjektiven Lebens- und Leidensweg beschreiben und sich selbst sowie die eigenen Erfolge beweihräuchern.

Bisher habe ich gut zwanzig Schreibratgeber und doppelt so viel Forschungsliteratur für meine Recherche gelesen, analysiert und ausgewertet, also glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass sich in dieser Zunft viele schwarze Schafe tummeln, die ihren Schreibratgeber über Books on Demand verlegt haben und über ihren Lebens- und Leidensweg zum eigenen Buch in Form von Selfpublishing berichten. Es sich also schlichtweg um Ratgeber und Ratschläge handelt, wie man es schafft, nicht veröffentlicht zu werden – was angehenden Schriftstellern und Schreibneulingen in keinster Weise hilft und auch nie mein eigener Anspruch war.

Es mag vielleicht arrogant klingen, zumal ich selbst erst eine Handvoll Veröffentlichungen vorzuweisen habe, aber im Selfpublishing habe ich nie eine Option oder Chance gesehen, denn meiner Meinung nach ist Selfpublishing nichts weiter als eine Abkürzung zum eigenen Buch, ohne die lästigen Lern- und Reflexionsprozesse, die jeder Schriftsteller oder Autor durchlaufen muss, wenn er von einem schlechten zum guten Schreiber werden will.

Schreiben ist ein Handwerk, eine Kunst für sich, und wenn man sich nicht handwerklich betätigt oder die Hände mit Farbe oder Tinte schmutzig macht, so wie es ein Handwerker- bzw. Künstlerleben erfordert, wie könnte man sich dann guten Gewissens als Schriftsteller, Autor oder Künstler bezeichnen?

Keine Frage, es gibt heutzutage auch seriöse Selfpublishing-Angebote bzw. Selfpublishing-Plattformen im Internet (z.B. neobooks, epubli, BoD, Amazon’s KDP etc.) und auch Erfolgsgeschichten von Autoren, die erst über Selfpublishing die Verlage auf sich aufmerksam gemacht haben und so erfolgreich geworden sind – das will ich an dieser Stelle gar nicht bestreiten – letzten Endes bleibt Selfpublishing jedoch eine Abkürzung zum eigenen Buch, die hauptsächlich Menschen nutzen, die unbedingt ihren Namen auf einem Buchdeckel lesen wollen, koste es, was es wolle.

Diese Art von Schreibenden haben jedoch nicht begriffen, dass ein Buch im Selbstverlag zu veröffentlichen, noch härtere Arbeit ist, als es auf traditionellen Weg über Verlage zu veröffentlichen (mehr dazu unter 4.3. Phase 3: Professionalisierung (Reflexionsphase)). Diesen Möchtegern-Schriftstellern ist nur schwer zu helfen – weder durch Schreibratgeber noch durch Schreibseminare – denn sie wittern hinter jeder Absage eines Verlages oder einer Agentur böses Blut oder gar eine Verschwörung, statt sich ehrlich einzugestehen, dass die eigenen Texte abgrundtief schlecht oder einfach nur scheiße sind. Es fehlt ihnen in erster Linie an Reflexionsvermögen, welches neben ein wenig Talent, Fleiß und Ausdauer eine der vier Grundvoraussetzungen für jeden (angehenden) Schriftsteller darstellt.

Derartige (Möchtegern-)Schreiber sind was Kritik, Reflexionsfähigkeit und Selbsteinschätzung (der eigenen Texte) angeht unbelehrbar. Die eigenen Texte, Geschichten und Ideen sind das Nonplusultra. Mama, Papa, Oma, Opa und Onkel Fritzi fanden die Texte ja auch phänomenal, wie können die Verlage und Literaturagenturen da die Frechheit besitzen und einen ablehnen? – Und das ist genau die falsche Frage, die sie sich stellen.

Die richtige Frage wäre: Liegt es an meinem Text?

So ist für jene, die glauben durch Abkürzungen ihrem Traum vom Schriftsteller-Dasein näherkommen zu können, die Spiegelbestsellerliste nur noch eine Papierlänge entfernt. Bei Wikipedia tragen sie sich zur Sicherheit lieber schon mal im Artikel zum Literaturnobelpreis als Preisträger des Jahres 2034 ein (man weiß ja nie!). Harry Potter und J. K. Rowling können ebenfalls einpacken, ganz zu schweigen von dem ganzen Twilight-Vampir-Fifty-Shades-of-Gray-Vögelei-Rotz, der nach dem ersten geschriebenen Absatz mit Sicherheit aus den Bestsellerlisten verschwindet, sobald Hintz und Kuntz ihr Buch per Selfpublishing in die A-Liga der Schriftsteller-Hemisphäre katapultiert haben. Kurz gesagt: Nach dem Lesen eines guten Buches denken viele Menschen: »Verdammt, was diese Rowling, die Meyers und der Tolkien kann, kann ich schon lange«, – aber so einfach ist das mit dem Schreiben nicht.

Während die Möchtegern-Schriftsteller also an ihren Fantasy/Erotik-Bestsellern von Morgen arbeiten – in denen es, oh Wunder, um einen Zauberlehrling geht, der sich durch halb Cockwarts vögelt, sich nachts in einen Werwolf verwandelt und tagsüber dem bleichen Vampir Eddy die trantütige Bella-Ich-langweile-meine-Mitmenschen-sobald-ich-den-Mund-aufmache-zu-Tode für Sadomaso-Fessel-Spielchen ausspannt, woraufhin sich eine über vier Bücher erstreckende Dreiecksbeziehung hinzieht, die höchstens frustrierten Hausfrauen noch ein Lächeln zurück ins Gesicht zaubert – muss der richtige Schriftsteller oder Autor zu der Erkenntnis gelangen, dass die eigenen Texte am Anfang nicht gut sind (Genies und Naturtalente natürlich ausgeschlossen, die es aber meiner Meinung nach nicht gibt!).

Fehler, einen schlechten Stil und eine miserable Inhalt- und Plotauswahl im eigenen Text zu erkennen, ist der erste Schritt zur Besserung. Erfolgreiches Schreiben ist harte Arbeit, gepaart mit ein wenig (genetischer) Veranlagung und einem Quäntchen Glück, aber in erster Linie ist Schreiben ein Handwerk bzw. eine Kunst, die erlerntwerden kann – denn niemand wird als Schriftsteller geboren.     

Die Literaturbranche in Deutschland ist für Neulinge zugegebenermaßen ein schwer zugänglicher Dschungel, in dem Anfänger schnell den Überblick verlieren und nach den ersten Absagen von Verlagen und Agenturen unter Umständen resigniert das Handtuch werfen. Nur leider suchen Anfänger die Schuld für eine Ablehnung dann oft beim Verlag oder der Agentur. Sie sind der Meinung, ihre Texte seien von den Lektoren oder Agenten nicht genug gewürdigt worden, doch die ernüchternde Wahrheit ist: In 9999 von 10000 Fällen liegt es am eigenen Text und am eigenen Schreibstil, warum ein Verlag oder eine Agentur einen nicht unter Vertrag nehmen will. Oder anders gesagt: Es gibt viel mehr schlechte Schreiber als gute Schreiber – und wenn man gut werden will, muss man an sich selbst und den eigenen Texten arbeiten, daran führt kein Weg vorbei.

Bei rund einer halben Million Menschen (geschätzte Zahl allein für Deutschland!), die den Traum haben, eines Tages Schriftsteller zu sein, erfreuen sich Schreibkurse und Schreibratgeber großer Beliebtheit. Der Literaturbranche in Deutschland dämmert es zum Glück langsam (siehe z.B. die Bastei Lübbe Academy oder die Rowohlt Krimischule), dass guter Nachwuchs rar gesät ist, neue Dichter und Denker nicht auf Bäumen wachsen und uns andere Länder längst überholt haben (wenn sie nicht schon immer besser darin waren, neue Autoren und Schriftsteller hervorzubringen). Lange herrschte in Deutschland nämlich die Auffassung, dass man im Land der Dichter und Denker ja nichts für den Schriftstellernachwuchs tun müsse, denn in Deutschland werden deutsche Schriftsteller als Schriftsteller geboren, während in allen übrigen Ländern der Nachwuchs das Schriftstellerhandwerk erst mühsam erlernen muss.

Deutschland tickt eben anders.

Nichtsdestotrotz leben und schreiben wir in Deutschland. In Sachen Schreiben ist Deutschland immer noch ein Entwicklungsland und während man also in anderen Ländern gut bis sehr gut vom Schreiben leben kann, nagen Autoren und Schriftsteller hierzulande am Hungertuch oder füllen eben ihren Kühlschrank durch das Abhalten von Schreibseminaren, in denen sie Anfängern ihre Tipps mit auf den Weg geben.

Das Hauptproblem an Schreibseminaren und Schreibtrainern ist angesichts dieser Fülle auf dem Markt: Wie erkenne ich, dass ich wirklich etwas für mein Geld bekomme?

Wichtig ist, dass Anfänger gerade in der Anfangsphase so schnell wie möglich an das richtige Handwerk herangeführt werden und sich die notwendigen Methoden aneignen, wie sie es schaffen, gute Texte zu schreiben. Der subjektive Lebensweg des Schreibcoachs interessiert dabei nicht. Allerdings glauben einige unseriöse Zeitgenossen der Schreibcoach-Zunft, es würde für Schreibanfänger ausreichen, zu erfahren, wie ihr Weg aussah. Sie meinen, andere könnten es auch auf ihre Art und Weise zu einer Veröffentlichung bringen, was jedoch nicht funktionieren kann, denn jeder Mensch lernt auf individuelle Art und Weise.

Der Weg des einen, kann nicht auch der Weg eines anderen sein. Als Schreibcoach ist es daher wichtig, sich selbst und seinen Lebensweg aus dem Seminar weitgehend rauszuhalten und die Dinge in einem allgemeinen Kontext zu vermitteln, da Lernende generell dazu tendieren, sich an Vorbildern zu orientieren, vergessen sie oft, einen eigenen Weg zu bestreiten. Deshalb ist es umso wichtiger, Schreibanfänger von Anfang an zur Selbstständigkeit zu erziehen, ihnen klar zu machen, dass sie es nur auf individuelle Weise schaffen können, weil es keinen allgemeinen Weg gibt. Lebt man ihnen jedoch einen (subjektiven) Weg oder eine Methode vor, die bereits funktioniert hat, versuchen die Menschen es auch auf diesem Weg und scheitern kläglich, weil im Literaturgeschäft jeder Schreiber seinen eigenen Weg durch den Dschungel finden muss, auf dem er lernt, seine Texte mit einem unverwechselbaren Stil und einer eigenen Sprache zu versehen.

Für Schreibseminare gilt deshalb: Die Teilnehmer benötigen Luft zum Atmen und Raum zur freien Entfaltung. Dies kann nicht gewährleistet werden, wenn sich ein Schreibcoach mit seinen Erfolgen und seinem subjektiven Weg in den Mittelpunkt drängt und nur seine subjektiven Erfahrungen im Schreibseminar vermittelt.

Wie und woran erkennt man also einen seriösen Schreibcoach?

Wenn es schlecht läuft, kommt die Einsicht erst nach dem Seminar, wenn man bereits bezahlt hat, der Schreibcoach mit dem Geld über alle Berge ist und die Teilnehmer nichts gelernt haben. Dabei bietet eine Antwort auf das Problem, seriöse Schreibtrainer, Schreibseminare oder Schreibratgeber von den unseriösen Angeboten zu trennen, in vielen Fällen eine Google-Suche, bevor ich ein Seminar belege. Gebe ich den Namen von einem Schreibcoach oder einem Autoren von Schreibratgebern bei Google ein und finde ich keine Veröffentlichung bzw. nur Veröffentlichungen in Form von Selfpublishing und auch sonst keine Hinweise darauf, dass diese Person etwas mit Lehrtätigkeiten zu tun hat, sollte ich mir als Schreibneuling zu Recht die Frage stellen: Was kann mir ein Schreibcoach beibringen, der keine Erfahrung im Unterrichten hat und der selbst nichts veröffentlicht hat oder nur im Selbstverlag seinen Namen auf ein Buchdeckel gepresst hat und damit nicht mal Erfolg hatte?

Seriosität, gute Schriftsteller und Schreibtrainer, die einem etwas beibringen können, erkennt man in der Literaturbranche daran, dass sie den schweren und nicht den leichten Weg gegangen sind oder noch gehen. Ich persönlich wollte eigentlich nie Schreibseminare oder ein Schreibcoaching anbieten, bevor ich nicht eine richtige Buchveröffentlichung vorzuweisen habe. Allerdings komme ich langsam an einen Punkt, an dem ich mich entscheiden muss, was ich beruflich in meinem Leben machen möchte. Ich liebe das Schreiben. Ich weiß, dass das Schreiben die eine Sache ist, mit der ich mein Geld verdienen möchte, und ich weiß, dass ich mein Leben lang mit dem Schreibhandwerk zu tun haben werde, sei es nun als einfacher Lehrer, als Schriftsteller und Autor oder als Schreibcoach. Die Literaturbranche ist unberechenbar und es ist immer gut, neben einem Plan A, auch noch einen Plan B und womöglich einen Plan C zu haben, um vom Schreiben später leben zu können oder sich zumindest den Luxus erlauben zu können, finanziell unabhängig zu sein und das zu schreiben, worauf man Lust hat, ohne in finanzielle oder zeitliche Engpässe zu geraten.

Dennoch habe ich trotz dieser Ungewissheit, ob ich es eines Tages in der Literaturbranche schaffe, weder Angst noch Sorge, dass es nicht klappen könnte. Ich vertraue auf mich und meine Fähigkeiten, die ich mir in über zehn Jahren Schreibtätigkeit angeeignet habe. Mein Anspruch an mich selbst, es richtig zu schaffen, also in einem seriösen Verlag zu veröffentlichen, war schon immer genauso hoch, wie die Ambition durch mein Schreibcoaching Schreibanfängern einen allgemeinen, ehrlichen und objektiven Blick über ihre Chancen und Möglichkeiten im Berufsfeld Schreiben aufzuzeigen und sie individuell zu fördern. In dieser Hinsicht bin ich eher der Ganz-oder-gar-nicht-Typ, entweder ich mache es richtig oder ich lasse es bleiben –– dazwischen gibt es für mich nichts.

Wer solch eine Einstellung noch nicht besitzt, der sollte sie sich schnellstmöglich zulegen, denn ein dickes Fell ist wichtig, wenn man von der Literaturbranche nicht gefressen werden will und überleben möchte bzw. ein Leben lang schreiben möchte. Man kann sagen, mit dem Schreiben verhält es sich ähnlich wie im Sport: Der innere Schweinehund versucht einen, während des Sports, stets dazu zu bewegen, dass wir endlich damit aufhören, unseren Körper zu schinden. Mit jeder Schweißperle, die aus unseren Poren dringt, wird die Stimme unseres Schweinehundes energischer und irgendwann schreit er uns an: »Hör endlich auf mit der Schinderei, geh lieber aufs Sofa vor den Fernseher, dort ist es viel gemütlicher«, »Du bekommst gleich einen Herzinfarkt« oder »Morgen ist auch noch ein Tag, geh es locker an«, versucht der Schweinhund uns von unseren Zielen abzubringen – aber über genau diesen Punkt muss man sich selbst immer wieder aufs Neue rüber quälen, egal ob es sich nun um Sport oder das Schreiben handelt. Man muss dem inneren Schweinehund einen Maulkorb verpassen und man darf niemals aufgeben. Erfolgreiche Leistungssportler sporn sich selbst zu Höchstleistungen an, ungeachtet ihres Schweinehundes, versuchen und schaffen sie es, noch mehr Leistung aus ihrem Körper herauszuholen – und ebenso müssen Schriftsteller und Autoren die Messlatte und die Qualität in ihren Texten immer weiter steigern.

Im Gegensatz zum Sport ist das Schreiben allerdings nicht nur eine körperliche Belastung. Das Schreiben geht sehr stark an die Substanz – seelisch, psychisch wie körperlich. Von allen Seiten hagelt es Kritik, niemand in der Literaturbranche nimmt einen ernst, die eigenen Texte finden keinen Zuspruch und im eigenen Familien- und Freundeskreis wird man müde belächelt, wenn man erzählt, dass man Texte oder Gedichte verfasst. Was kein Geld in die Kasse bringt, ist in den Augen und in Zeiten einer kapitalistischen Gesellschaft wie der unsrigen nichts wert und wenn man obendrein noch hunderte von Stunden mit dem unbezahlten Schreiben verschwendet, ist es mit dem Verständnis unser Mitmenschen endgültig vorbei. Leider behalten diese Kritiker oft Recht, denn es gibt wirklich viele Menschen, die einfach drauf losschreiben, sich keine Gedanken machen, was sie da überhaupt schreiben, und darauf hoffen, dass sich jemand für ihre viel zu subjektiven (und oft auch langweiligen) Ideen und Texte interessiert. Die Chancen stehen von Anfang an schlecht, es in der Literaturbranche tatsächlich zu schaffen, und die Wahrscheinlichkeiten und guten Quoten liegen allesamt auf Seiten der Kritiker und Pessimisten. Kein Buchmacher würde einem eine Chance bzw. Quote geben, die besser ist als 1:10.000. Die Quote wäre eher schlechter, d.h. von den geschätzten 500.000 Menschen, die in Deutschland schreiben, schaffen es gerade mal 50 zu einer traditionellen Buchveröffentlichung – wenn überhaupt.[1]

All diese Dinge spielen dem inneren Schweinehund letztlich in die Karten. Er bekommt jede Menge Argumente und Nahrung, sei es durch Kritik aus unserem Umfeld, durch Absagen von Verlagen und Agenturen oder durch unsere inneren Selbstzweifel, mit denen sich jeder Schreibende früher oder später konfrontiert sieht. Schreiben heißt: Diese inneren Selbstzweifel am Leben zu halten, sie zu seinem besten Freund zu erklären, denn als Schriftsteller und Autor muss man sich immer wieder fragen, ob der gerade produzierte Text wirklich das Beste ist, was man (auf dem Blatt Papier) leisten kann oder ob man es nicht noch viel besser kann. Kann man es nicht und ist der Text schlecht, muss man sich fragen, woran es liegt, wie und wodurch man besser werden kann. Stellt man sich diese Fragen nicht oder fällt einem gar nicht auf, dass die eigenen Texte schlecht sind, gehört man zur Zunft der unbelehrbaren Möchtegern-Schriftsteller. Für den Rest gilt: Sei, was deine Texte angeht, ein Pessimist und selbst dein schlimmster Kritiker – und was deine Chance in der Literaturbranche anbelangt, es zu schaffen, sei ein unbelehrbarer, starrköpfiger Optimist und Träumer, der bei all den Niederlagen, Enttäuschungen, Rückschlägen, Absagen und bei all der Kritik, die einen als Schriftsteller und Autor erwarten, es stets versucht, noch besser zu machen und der immer wieder die Motivation in sich aufbringen kann, das leere Blatt Papier zu füllen, ohne dafür Geld oder Anerkennung zu bekommen.

Schreiben fängt immer als unbezahlte Zeitverschwendung an. Nur wer durchhält, an sich arbeitet, viel Ehrgeiz und einen längeren Atem als seine Kritiker mitbringt, der schafft es auch zur echten Buchveröffentlichung.Deshalb möchte ich bei meinen Schreibschülern weder die Illusion erzeugen, sie könnten es eines Tages in die Spiegelbestsellerliste schaffen, noch ist es mein Anliegen, ihren Traum zu zerstören, dass sie im Jahr 2034 den Literaturnobelpreis wahrhaftig in ihren Händen halten könnten. Ich vermittle durch mein Schreibcoaching in erster Linie das nötige Handwerkszeug, welches Anfänger brauchen, um gute bzw. bessere Texte zu schreiben. Alles andere liegt nicht in meiner Macht.

Schreiben ist eine Tätigkeit, die am Ende des Tages jeder für sich allein tun muss. Ich kann meinen Schreibschülern weder abnehmen, ihren Stift zu führen und zu schreiben, noch kann ich ihnen abnehmen, mit ihrem eigenen Kopf zu denken und eigene Ideen zu entwickeln. Ich kann ihnen nur einen allgemeinen Überblick über Wissen, Methoden und Kompetenzen vermitteln, wie sie ihr Schreiben, ihre Ideensuche und ihre Texte verbessern können und was es heißt, das Leben eines Schriftstellers zu leben – alles andere liegt am Schreiber selbst, an dessen Ausdauer und seinem Willen, es in der Möchtegern mordenden Literaturbranche zu einem richtigen Schriftsteller und Autor zu bringen. Alles, was ich also sagen kann, ist, dass ich ein ehrliches Interesse daran habe, nicht nur Nachwuchsarbeit in Sachen Schreiben zu betreiben, sondern auch ein informatives und konstruktives Schreibcoaching auf die Beine zu stellen und irgendwann meinen Schreibratgeber fertigzustellen, der ohne subjektive Brille und ohne Selbststilisierung auskommen soll und hoffentlich vielen Schreibanfängern hilft, bessere Texte zu verfassen, die zudem veröffentlichungstauglich sind.



[1] Achtung: keine offiziellen Zahlen, sondern reine Vermutung, da es keine offiziellen Zahlen dazu gibt. 

 

Für detailliertere Informationen verwenden Sie bitte das Portfolio, das einen Überblick über den Aufbau und die Organisation meines Schreibcoaching/ Schreibunterrichts liefert.

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Bei Interesse oder Fragen nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.

 

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